- Erlebnisweg
Erlebnisweg
Der Weg
Der Erlebnisweg "Biodiversität" Péry–La Heutte kann in beide Richtungen begangen werden, Startpunkte gibt es in der Nähe der Bahnhöfe Reuchenette-Péry und La Heutte.
Die acht thematisch voneinander unabhängigen Stationen laden dazu ein, die Vielfalt der lokalen Biodiversität entlang des Waldwegs zu erkunden.
Der Weg ist einfach zu begehen, ideal für Familien (eingeschränkte Kinderwagen-/Rollstuhltauglichkeit) und bietet einen schönen Picknickplatz zum Verweilen, welcher vom Bahnhof La Heutte aus besonders schnell erreichbar ist. Unsere Maskottchen begleiten Gross und Klein auf der Entdeckungsreise und weisen den Spaziergängern mit viel Freude den Weg.
In einem Holzpavillon vor dem Schulhaus von La Heutte stellen sich die verschiedenen Projektbeteiligten vor. Eine Vitrine, die für temporäre Projektausstellungen bestimmt ist, steht den Schülerinnen und Schülern der Stiftung YOU COUNT La Clef, welche im selben Gebäude unterrichtet werden, zur Verfügung.
Karte und Höhenunterschied
Biologische Vielfalt
Die Biodiversität – für ein tieferes Verständnis
Das Konzept der Biodiversität ist eher abstrakt und oft schwer zu vermitteln. Mit diesem Projekt möchten wir versuchen, es greifbarer zu machen.
Entstehung des Begriffes
Der Ausdruck "biologische Vielfalt“ wurde erstmals 1968 von Raymond F. Dasmann verwendet, einem amerikanischen, auf Naturschutz spezialisierten, Biologen und Gründer der UNESCO-Weltbiosphärenreservate. 1980 führte Thomas Lovejoy, ein amerikanischer Biologe mit Forschungsschwerpunkt Amazonasgebiet und der Naturschutzbiologie, den Begriff" biologische Vielfalt“ in die wissenschaftliche Gemeinschaft ein.
Walter G. Rosen schlug erstmals 1986, während des National Forum on BioDiversity in Washington D.C., die Verkürzung des Begriffs zu „Biodiversität“ vor. Laut ihm sollte die Natur nicht als blosse Inventarliste betrachtet werden, sondern als eine Einheit zusammenhängender Phänomene, die bedroht sind und geschützt werden müssen. Der Begriff „Biodiversität“ wurde offiziell während des ersten Erdgipfels in Rio 1992 übernommen, an welchem erstmals die Bedeutung des Schutzes der Biodiversität für die gesamte Menschheit anerkannt wurde.
Das Wort "Biodiversität“ entspricht buchstäblich der Vielfalt des Lebens auf allen Ebenen.
Biodiversität in Zahlen
Es ist nach wie vor schwierig, die gesamte Biodiversität unseres Planeten zu quantifizieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben bislang etwa 2 Millionen Arten beschrieben, doch gemäss unterschiedlichen Schätzungen könnte die Gesamtzahl aller Arten bis zu 10 Millionen betragen. Das bedeutet, dass aktuell nur ungefähr 20 % der weltweiten Biodiversität bekannt sind.
Ökosystemdienstleistungen
Ökosysteme liefern lebenswichtige Leistungen für den Menschen – sogenannte Ökosystemdienstleistungen. Sie sind unverzichtbar für das Wohlbefinden der Gesellschaften und für wirtschaftliche Aktivitäten. Dazu gehören die Produktion von Nahrungsmitteln, Holz und Medikamenten sowie ökologische Funktionen wie Bestäubung, Bodenschutz, Wasserreinigung und Klimaregulierung.
Der Wert dieser Leistungen wird auf 125000 bis 140000 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt, also mehr als das 1,5-fache des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (OECD, 2019 – Biodiversität finanzieren, für Wirtschafts- und Handelsunternehmen). Der Rückgang der Biodiversität bedroht diese essenziellen Leistungen.
Biodiversitätskrise
Seit dem Beginn des Lebens auf unserem Planeten vor etwa 3,8 Milliarden Jahren hat die Anzahl der auf der Erde lebenden Arten im Laufe der Zeit zugenommen. Dennoch haben fünf grosse Massensterben, auch" Biodiversitätskrisen“ genannt, stattgefunden. Die bekannteste davon ist die Kreidezeit-Krise vor etwa 65 Millionen Jahren, die unter anderem zum Aussterben der Dinosaurier führte.
Heute erleben wir das sechste grosse Massensterben, das sich von den früheren Krisen dadurch unterscheidet, dass es vom Menschen verursacht wird. Weltweit – auch in der Schweiz – geht die Biodiversität stark zurück. Hauptursachen sind der Verlust natürlicher Lebensräume, die Übernutzung von Ressourcen, Klimawandel, Umweltverschmutzung und die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten.
Der Rückgang der biologischen Vielfalt zeigt sich auf allen Ebenen: in der genetischen Vielfalt innerhalb der Arten, in der Artenvielfalt selbst und in der Vielfalt der Lebensräume. Gemäss der Roten Liste 2025 sind weltweit bereits über 47000 Arten vom Aussterben bedroht – das entspricht etwa 28 % aller derzeit beschriebenen Arten. Zu den am stärksten gefährdeten Gruppen zählen weltweit die Amphibien: Mehr als ein Drittel von ihnen ist heute vom Aussterben bedroht.
Was wir tun können
Wir alle können zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen. Der Schutz der biologischen Vielfalt erfordert Aufklärung, den Erhalt natürlicher Lebensräume, die Umsetzung nachhaltiger Praktiken und gemeinsames Engagement. Jede einzelne Geste zählt, um den unschätzbaren Reichtum der Natur, die uns umgibt, zu bewahren.
- Respektieren Sie die Natur
- Fördern Sie heimische Pflanzen in Ihrem Garten, Ihren Hecken oder sogar auf der Fensterbank und im Topf
- Wählen Sie Bio- oder regionale Produkte, um eine Landwirtschaft mit minimalen Auswirkungen auf die Ökosysteme zu fördern
- Schaffen Sie Lebensräume für Tiere: Holz- und Steinhaufen, wilde Ecken im Garten, Nistkästen, kleine Wasserstellen
- Tolerieren Sie etwas "Unordnung“ im Garten : Lassen Sie wilde Blumen wachsen, bewahren Sie ungemähte Bereiche
- Minimieren Sie den Einsatz von Chemikalien, wie Pestiziden, Fungiziden oder Kunstdünger
- Unterstützen Sie Schutzprojekte und Naturschutzgebiete, lokal oder international
“Wenn wir eine Gesellschaft schaffen wollen, welche die Natur wirklich liebt und ihr mit Ehrfurcht begegnet, müssen wir den Mitgliedern dieser Gesellschaft Erlebnisse in der Natur anbieten, die ihr Leben verändern” Joseph Cornell
Quellen
Fischer, Frauke & Oberhansberg, Hilke (2020). Was hat die Mücke je für uns getan. oekom Verlag.
Es ist ein Buch, welches das Thema Biodiversität und ihre Bedeutung für das menschliche Leben auf zugängliche und humorvolle Weise behandelt.
Laurent Godet," Notion en débat : biodiversité ", Géoconfluences, mai 2017.
https://geoconfluences.ens-lyon.fr/informations-scientifiques/a-la-une/notion-a-la-une/notionbiodiversite
Texte nur auf Französisch.
https://www.kloranebotanical.foundation/en/understanding-and-preserving-biodiversity/what-is-biodiversity
Texte auf Englisch oder Französisch. (Um die Sprache auf Französisch zu ändern, gehen Sie zu : Menü (oben rechts) und wählen Sie : FR).
https://www.iucnredlist.org/
Texte auf Englisch oder Französisch. (Um die Sprache auf Französisch zu ändern, gehen Sie zu : Menü (oben rechts) und wählen Sie : FR).
https://www.oecd.org/en/topics/biodiversity.html
Texte auf Englisch oder Französisch. (Um die Sprache auf Französisch zu ändern, gehen Sie zu : Menü (oben rechts) und wählen Sie : FR).
Projekt - Umsetzung
Das Projekt
Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens hat Pro Natura Jura Bernois im Jahr 2020 einen Wettbewerb mit dem Titel" Neue biodiversitätsreiche Räume in Ihrer Gemeinde "ins Leben gerufen. Ziel des Wettbewerbes war die Schaffung und Aufwertung vielfältiger, artenreicher Räume zu fördern, die vor allen in der Nähe Ihres Wohnortes bewundert werden können. Die Burgergemeinde Péry hat ein sehr schönes und interessantes Projekt zur Schaffung eines Lehrpfades eingereicht, der inhaltliche Fokus liegt auf der Aufwertung natürlicher Objekte entlang eines Waldweges zwischen Péry und La Heutte.
Die Ziele des Projekts :
- Verschiedene natürliche Lebensräume entdecken und über ihren ökologischen Wert informieren
- Ein didaktisches, pädagogisches und interaktives Angebot bereitstellen, welches allen Besuchern zur Verfügung steht
- Die Bevölkerung und insbesondere die Jugend sensibilisieren
- Einzelpersonen motivieren, neue natürliche Lebensräume zu schaffen
Während des Spaziergangs können die Besucher von Station zu Station die grosse ökologische Vielfalt des Ortes entdecken. Mit Hilfe der beiden Maskottchen Aglaë und Pepino, sowie dem Überraschungsbesuch eines Bodenbewohners, können Kinder und Erwachsene das vielfältige Thema der Biodiversität kennenlernen und sich damit vertraut machen.
Aglaë, ein gescheiter Eichelhäher und Pepino, eine neugierige und quirlige, junge Waldmaus, laden Sie auf einen spannenden Spaziergang ein, während dem Sie zusammen die einheimische Biodiversität kennenlernen. Aber zunächst wird Aglaë erklären, was Biodiversität bedeutet – ein komplizierter Begriff, den sie aufteilt, um ihn zu erklären. Wir wünschen Ihnen einen schönen Spaziergang !
Umsetzung
Der Erlebnisweg" Biodiversität "Péry-La Heutte ist durch die leidenschaftliche und engagierte Arbeit mehrerer Personen entstanden. Diese gemeinsame Arbeit ermöglichte die Gestaltung eines Parcours, welcher sich informativ, pädagogisch wertvoll und ästhetisch schön umgesetzt präsentiert. Er lädt Gross und Klein dazu ein die Vielfalt der lokalen Natur zu entdecken, besser kennenzulernen und wertzuschätzen.
- Projektinitiierung und Wegwahl : Bürgerschaft Péry und Gemeinde Péry-La Heutte
- Konzept : Lorenza Marconi und Joanne Jospin
- Layout und Texte : Lorenza Marconi mit Unterstützung von Pro Natura
- Illustrationen : Joanne Jospin
- Endgestaltung : Garance Landry
- Druck : Groupe Corbat
- Aufbau der Informationstafeln : Bürgerschaft Péry und Gemeinde Péry-La Heutte
Finanzielle Unterstützung
Die Realisierung wurde dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung folgender Institutionen ermöglicht :
- Bernjurassischer Rat (BJR)
- Lotteriefonds des Kantons Bern
- Abteilung Naturförderung des Kantons Bern
- Berner Kantonalbank
- Baloise Grand Chasseral
- Regionalpark Chasseral hat den Holzpavillon vor der Schule von La Heutte gestiftet
- Bürgerschaft La Heutte
- Bürgerschaft Péry
- Gemeinde Péry-La Heutte
Und ein besonderer Dank an die Blaskapelle Union Péry
